Monat: Februar 2015

Zeit-Zeuge

Betriebstelefon

Foto: vdB

Ein Telefon in einem Sauerländer Betrieb: Ob Grohe, Schulte, Egggemann oder Oras – von hier aus wurde mit Einkäufern verhandelt, mit Betriebsleitern diskutiert, Lieferversprechen gegeben, Lieferanten vertröstet. Überstunden angemeldet, mit Finanzamt, Krankenkassen, Berufsgenossenschaft, Mitarbeitern, Firmenchefs, Freunden, Ehefrauen und Kindern telefoniert. Von hier aus wurde gestritten, geflucht, erläutert, erklärt. Von diesem Telefon aus wurde Marketing betrieben, geworben, Netzwerke gepflegt! Und das in vielen Sprachen: Türkisch, Kurdisch, Albanisch, Niederländisch, Persisch, Nigerianisches Englisch, Arabisch, Polnisch, Griechisch – Deutsch natürlich auch. Hier war schon Multi-Kulti, da war das Wort noch gar nicht erfunden…

– Und  Internet?  Das spielte keine Rolle.  vdB

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Whats app?

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„wmds, ja, cool, geil“

124 Nachrichten in 15 Minuten – mit fulminanter Gewalt bricht dieser Umsonst-Dienst über unsere Familie herein. Der Djingle des Whatsapp-Nachrichtensignals der Smartphones erfüllt unsere häuslichen Räume wie das Zwitschern eines verhaltengestörten Kanierenvogels. Für jeden Chat eine andere Melodie. Nach einiger Zeit entwickeln meine Frau und ich eine leichte Form von Tinnitus. Es gibt auch Vorteile dieser neuen Kommunikationshilfsmittel. Es fördert Multitasking beim Nachwuchs: Mit dem Tablet skypen, im Handy gucken, mit dem Laptop schreiben, Fernsehen und gleichzeitig Hausaufgaben machen – kein Problem. Die Kommunikation innerhalb der Familie verbessert sich: Prompt reagierte unsere Tochter nun auf Gesprächsangebote der Erziehungsberechtigten. Die müssen ihr nur hier und da eine App schicken. Wmds? TV!  Knapp und sachlich wird hier reagiert, kein Gelaber, nur noch konkret reden, wir wissen gleich Bescheid. Manchmal werden wir in die Kommunikationskanäle mit einbezogen, dürfen an Kettenbriefen teilhaben oder sehen peinliche Fotos aus fremden Wohnungen. Das gibt manchmal überraschende Einblicke… vdB