Monat: Juli 2011

Mal eben Sportabzeichen machen

Als ich mein Töchterlein leichtfüßig über den Waldboden flitzen sah, als ich mich freute, dass sie Stadtmeisterin wurde, als ich bei Juniorsportfesten andere Väter traf, die plötzlich Lust auf Sport verspürten, da wurde der Wunsch geboren, mal eben das Sportabzeichen zu machen.

Sportabzeichen – das war für mich einst Synonym für mittelalte leicht übergewichtige Männer, die über den Sportplatz taumeln und beim Standweitsprung punkten.  Und genauso ist es. Nur heute weiß ich, was diese Menschen Grandioses leisten. Ich bin einer von denen. Es ist eben eine übermenschliche Leistung, mit durch Büroarbeit degenerierte  Muskeln, 95 Kilogramm Körpermasse zu beschleunigen und mit einem gewaltigen Akt der Anstrengung vier Meter beim Weitsprung durch die Luft zu katapultieren.  Mit 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken würden international erfolgreiche Sportler auch nicht viel weiter springen. Deshalb: Auch beim Laufen leisten verweichlichte Büroarbeiter weit mehr als trainierte Triathleten.  Es gibt einen Unterschied: Der Bürokörper benötigt halt ein paar Wochen mehr für die Regeneration.

Schon kurz nach dem Start riss mein Muskel im Oberschenkel. Und ich riss mich zusammen.  Zwei Tage konnte ich kaum laufen, eine Woche dauerte es, bis der Bluterguss halbwegs verschwunden war. Gelobt sei was hart macht, ich bleibe dran. Übrigens: Die Körper der anderen Ü-40er sind auch nicht besser. ich sehe sie humpeln. vdB

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Vorwerker

Da sitzen die drei auf Campingstühlen, genießen die Ssonne, lesen Zeitung, trinken Kaffee aus Thermoskannen. Sie sind geschäftsmäßig gekleidet: Die beiden Herren in dunklen Anzughosen, weißen Hemden, dezente Krawatten, die Dame im schwarzen Kostüm. Ein irritierender Anblick, zumal sie direkt neben dem gammeligen Grüncontainer auf dem Parkplatz am Pragpaul sitzen. Obwohl sie doch einem ehrenwerten Beruf nachgehen, häufig Kundenkontakt haben, zieren sie sich – die drei Staubsaugervertreter. Nein, ein Foto komme nicht in Frage. Aber bereitwillig Auskunft geben sie trotzdem. „Wir kommen schon seit Jahren hier her, machen immer Rast auf diesem Parkplatz hier.“

Lange schon sind sie auf der Straße: Alle drei haben 18 bis 20 Jahre als Vorwerkvertreter auf dem Buckel. Glücklich sind sie offensichtlich dabei und loben – wen wundert es – die Vorwerkprodukte über den grünen Klee. „Im Bundesdurchschnitt deckt Vorwerk 30 Prozent aller Haushalte ab und die Staubsauger gehören zu den meistverkauften in Deutschland,“ sagt der Vertreter mit dem weißen Hemd, dessen Ärmel hochgekrempelt sind.

Viel gemacht haben die drei schon in ihrem Leben. Der Hemdsärmelige war Elektriker, lange Gastwirt und ist jetzt schon 20 Jahre Vorwerkvertreter. Seine Kollegin stammt aus dem Einzelhandel, der andere aus der Industrie. Das Berufsspektrum unter den Kollegen sei sehr breit, betont der Hemdsärmelige. „Wir haben alle was anderes gemacht – von Kaufleuten über Ingenieure bis hin zu Ärzten haben wir alles dabei.“

Angeworben würden die Neuen meist im Zuge der Vertretertätigkeit. Man komme ins Gespräch und „ruckzuck“ würden die Interessenten dann zu einem Info-Tag bei Vorwerk eingeladen. Dort könnten die Bewerber dann entscheiden – ob sie nun wollen oder nicht.

Viel, aber nicht übermäßig seien sie unterwegs, beackern den Märkischen Kreis, kommen dabei auch alle drei Monate nach Altena. Zwischen 15 000 und 20 000 Kilometer fahren sie pro Jahr. Die Arbeitszeit halte sich mit höchstens 10 Stunden – mit allem drum und dran – aber in Grenzen.

Der Hemdsärmelige hält dann noch ein Loblied auf den Direktvertrieb: Vertreter hätten ein schlechtes Image, doch dass „die gesamte Wirtschaft“ auf dem Direktvertrieb fuße, diese Tatsache sei kaum einem bewusst. Ein Blick nach Amerika belege das doch. Der Mann in dem weißen Hemd ist überzeugt. „In ein paar Jahren wird es auch in Europa so wie in Amerika zugehen.“

Die Altenaer im Allgemeinen und Besonderen sind kein besonderes Publikum für die Vertreter. „Da können wir nichts Negatives sagen“, betonen sie. Es komme eben immer darauf an. Und bei Menschen, die keine gute Kinderstube hätten, da sei ohnehin Hopfen und Malz verloren. So nehmen sie es gelassen, wenn die Tür kommentarlos zugeknallt wird. (vdB)

Ein Feature über die Staubsaugerbranche. Das bleibt aktuell