Monat: September 2010

Katzenzeiten

Dass ein kleines zartes Kätzchen so schnell so schwanger werden kann – wer hätte das gedacht.
Nun sind Fleck, Teufel, Teufeline, Jane und Leo auf der Welt, sind schon einige Wochen alt und mehr als kregel. Aus den kaum handtellergroßen piepsenden Tierchen sind quirlige, freche und flinke Kätzchen geworden.
Unverkennbar wer der Vater ist: Der freche, dicke schwarze Evingser Kater mit weißem Bauch und hellen Schnurrbarthaaren. Er ließ sich damals nicht vertreiben, lauerte mal hinter der dicken Buche am Waldrand, mal auf dem Garagendach. Und Lilli? Sie ließ sich bereitwillig auf diesen Halodri ein, ließ den schüchternen dicken, orangenen Kater links liegen. Eigentlich klare Sache, dass der schwarze Kater – hinterher – die Mücke machte. Bisher ist er in der Nähe des Hauses nicht wieder aufgetaucht. Und Lilli, die wurde dicker und kugeliger. Wenn Sie eilig um die Kurve rannte, droht sie umzukippen. Dann war es an der Zeit: Lilli lief nervös suchend umher, ungewöhnlich anhänglich wurde sie, schaute in Schubladen, in offene Schränke, verschmähte die einladend hergerichteten Kisten und Körbe. Und sie blieb immer in der Nähe des großen Frauchens.

Dann kam der Tag. Hut ab vor der kleinen Katzenmutter: Die fünf Kinder brachte sie ohne jegliche Hilfe auf die Welt. Als wäre es für sie alltäglich, gebar sie die Kleinen ruhig und ohne Murren. Sie biss die Eihäute auf und die Nabelschnüre durch, leckte die Kleinen sauber. Und die wiederum wussten sofort, wo es was zu trinken gab: Mit aller Kraft, die die kleinen Beinchen hergaben, robbten sie zu Mamas Brust, suchten schon egomanisch und zielstrebig die ergiebigsten Zitzen. Und Lilli bog sich zu einem Halbkreis: Die liebende Katzenmutter legte die Pfoten schützend um ihre Kleinen…
Das Lillitier – so nennt ihre junge Besitzerin die Katze – wirkt mit der
Zeit ausgezehrt. Ihr Fell wird stumpfer, sie wird magerer. Die Kleinen gedeihen, werden dicker, öffnen die Augen, machen erste tapsige Schritte. Die Mutterkatze frisst und frisst und bleibt doch dünn. Kleinen Vampiren gleich hängen die Kinder an der Brust, saugen und saugen, nehmen täglich zu. Die Küchenwaage belegt: bis zu 20 Gramm pro Kätzchen, pro Tag. Die vergrößern langsam ihren Radius, sind nicht mehr mit dem Körbchen zufrieden, erkunden die weitere Umgebung, verhaken sich mit ihren Krallen im Stoff, purzeln übereinander und wachsen und trinken und trinken.
Dann kommt der Tag, als der kleine Kater Fleck das Dosenfleisch probiert
– und für gut befindet. Auch das Trockenfutter mundet ihm. Seine Geschwister testen auch den Geschmack von Fleisch. Von da an wachsen die Kätzchen im Zeitraffer – nur noch einmal am Tag bekommen sie die Milch der Mutter. Und Lilli ist froh. Gleichwohl ruft sie die Kleinen, die aus ihrem schönen Versteck hinter der Spülmaschine hervorkommen und saugen, als wäre es das letzte Mal. Sie sind schnell stubenrein geworden, nutzen ausgiebig die Katzentoiletten. Der Verbrauch an weißem Streu steigt
rapide. Die großen Zweibeiner, welche im Haushalt der Katzen leben haben alle Hände voll zu tun.

Mittlerweile kristallisieren sich die Charaktere der einzelnen Tierchen heraus: Fleck ist der stärkste, bleibt dabei aber gemütlich. Leo ist etwas flinker und eine Spur neugieriger, Jane ist lieb wie die Mama und zurückhaltend. Frech und vorwitzig ist der kleine Teufel, zart und neugierig ist Teufeline, die kleinste aus dem Quintett. Die Kinder haben ihre wahre Freude an den Tieren: sie gucken, streicheln, schmusen und toben. Und die Katzen wachsen und wachsen.

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