Monat: Mai 2010

Kosmopoliten

Deutschland ist ein Land für Kosmopoliten: Essen gibt es aus aller
Herren Länder. Wer ein bisschen Englisch kann, überlebt selbst in der hintersten Ecke vom Hochsauerland und sogar in Altena gibts irisches Bier. In jeder Bahnhofsbuchhandlung bekommt man chinesische Fachzeitschriften, der PC wurde im Osten zusammengebaut und Made in Germany ist schon lange mit Vorsicht zu genießen. Was ist Deutsch? Die Essgewohnheiten eines alten Kumpels, der aus Italien stammt: Sonntags gibts beim ihm Rinderbraten, frische Suppe und Kompott – von Nudeln hält er nichts.

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Sauerländer Serengeti

Dramen spielen sich in der Wildnis ab: Man siehts ja immer im Fernsehen, wenn hungrige Löwenrudel nach stundenlangem Kampf den Kaffernbüffel erlegen, wenn Mörderwale Robben vom Strand picken, Krokodile Gnus ins Wasser zerren. Mit wohligem Schaudern lehnt sich der Zuschauer zurück – ist ja weit weg. !! Alles eine Frage der Perspektive – denn Tierdramen spielen sich auch vor der Haustür ab: Der Stubentiger krallt sich die Spitzmaus und wer in der Nähe weilt, der hört den erbarmungswürdigen Nager verzweifelt quieken. Eulen, Füchse, Marder, Bussarde, Krähen, Schlangen – alle haben es auf die kleinen Nager abgesehen. Kein Zweifel: Mäuse sind die Gnus der Sauerländer Vorgarten-Serengeti. Und die großen räuberischen Tiere? Löwen und Bären – die gibts hier nicht. Aber Golf, Astra oder Magirus Deutz haben die legitime Nachfolge angetreten – platt gefahrene Tiere am Bundesstraßenrand zeugen davon. Gewaltig auch das Schlachtfest im Insektenreich: Man mag sich gar nicht die Verzweiflung der Fliege ausmalen, die sich im Kreuzspinnennetz verfängt.